Kein Witz: Küchen geschenkt, wenn es in Stuttgart regnet
Dass viele Küchenhändler mit Prozenten und Rabatten ihre Kunden ködern, ist schon lange Usus. Weil man aber in der Küchenbranche langsam registriert, dass auf diese Art und Weise immer weniger Fische ins Netz gehen, muss man sich auf Dauer sicher etwas Neues einfallen lassen. Heute Morgen ist mir zufällig ein Prospekt mit einer Werbeaktion in die Hand gekommen, bei der es mich tatsächlich fast vom Hocker gehauen hat.
Da gibt es eine Firma namens HEM Küchenstudio GmbH (www.hem-kuechen.de) mit Sitz in 74523 Schwäbisch Hall. Das Unternehmen betreibt im nordöstlichen Großraum Stuttgart noch 3 weitere Küchenstudios: In 71522 Backnang, in 74589 Crailsheim und in 74722 Buchen. HEM ist Mitglied im Verband Musterhaus Küchen.
In dem von HEM gestreuten Werbeprospekt heißt es wörtlich:
"Liebe Kunden,
nie war die Gelegenheit zum Küchenkauf günstiger: Mit etwas Glück erhalten Sie Ihre neue Küche nicht nur zum unschlagbaren Bestpreis, sondern sogar den Kaufpreis zu 100% erstattet. Wenn es am 1. April zwischen 12 und 13 Uhr am Flughafen Stuttgart-Echterdingen regnet oder zu sonstigem Niederschlag kommt, bekommen alle Kunden, die ihre Küche im Zeitraum vom 5. bis 17. März gekauft haben, ihre Traumküche zum Nulltarif.*
Wie freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen Ihnen viel Glück!"
Das klingt unglaublich verlockend zumal betont wird: Kein Scherz.
Der Pferdefuß findet sich natürlich im Sternchen-Text. Da heißt es:
"Wir verpflichten uns, den Käufern den Kaufpreis für den Fall zu erstatten, dass es am 1. April 2012 an der Wetterstation des deutschen Wetterdienstes am Flughafen Stuttgart-Echterdingen messbaren Niederschlag von mindestens 2 mm/qm oder mehr in der Zeit von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr gegeben hat. (…) Nicht mit anderen Vorteilsaktionen kombinierbar. (…) Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. (…)"
2 mm/qm Niederschlag?
Das sind 2 Liter pro Quadratmeter. Ich habe mir mal die Daten des deutschen Wetterdienstes angesehen. Demnach fallen in Stuttgart in den Monaten März und April (Sie zählen zu den niederschlagsärmsten im ganzen Jahr) durchschnittlich etwa 40 bis 50 mm/qm Niederschlag - im ganzen Monat wohlgemerkt.
Das bedeutet im Klartext: Meine gekaufte Küche bekomme ich nur dann geschenkt, wenn etwa 5% der gesamten monatlichen Niederschlagsmenge an einem einzigen Tag (dem 1. April) fallen - und das auch noch in einer einzigen Stunde! Da muss es also zwischen 12 und 13 Uhr nicht nur tröpfeln, sondern recht kräftig regnen.
Ich weiß nicht, ob HEM für diesen Fall irgendwo eine "Regenversicherung" abgeschlossen hat. Ich gehe auch davon aus, dass HEM ein seriöses Unternehmen ist, das die möglichen Gewinne bzw. die Kaufpreise tatsächlich auszahlen wird. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass HEM die Küchen (besser: die Lose) im Aktionszeitraum wahrscheinlich alles andere als günstig verkauft, damit sich das unternehmerische Risiko und die Werbeaktion am Ende lohnen.
Fazit:
Ein prima Werbegag. Auf so was muss man erst mal kommen. Der clevere Küchenkäufer allerdings kauft kein Küchen-Los für mehrere tausend Euro im Rahmen eines Gewinnspiels. Er bedient sich der 7-Schritte-Kaufstrategie aus Clever Küchen kaufen.



Tchibo, anfangs ausschließlich Kaffeeröster, hat den Bogen raus, die Markt- und Vertriebskompetenz von Unternehmen fast aller Branchen auch für sich selbst nutzbar zu machen. Ich greife zwei Beispiele heraus, weil ich sie persönlich ausprobiert habe: Reisen buchen und Blumen schenken.
Für die professionellen Marktbeobachter ist es inzwischen Gewissheit: Mitnahmemärkte werden künftig immer mehr Küchen verkaufen. Ein Grund ist wohl der, dass Mitnahme oder Discount beim Verbraucher niedrige Preise suggeriert. Also her mit den günstigen Küchen. Es gibt aber nicht viele Hersteller, die sie in ausreichenden Mengen produzieren. Aus dem Stegreif heraus kann ich zum Beispiel Burger, Impuls, Pino und Nobilia nennen.
Die durchschnittlichen Lieferzeiten von 8 bis 10 Wochen und mehr sind für viele Küchenkäufer ein Ärgernis.
Über unsaubere und durchscheinende Kanten beschichteter Küchenfronten hat sich schon so mancher Küchenkäufer geärgert. Als ich diesbezüglich einmal mehr eine Mail erhielt, fiel mir ein, dass ich vor kurzem etwas darüber gelesen hatte, wie man neuerdings das leidige Problem gelöst hat. Nur, ich wusste zunächst nicht mehr, wo und was ich gelesen hatte. Kurz darauf fand ich die Quelle wieder.