Neue Küche planen/kaufen auf der Verbrauchermesse?

Die letzte Mail von Uta Linger (Name geändert) ließ so etwas wie Resignation erkennen. Aber auch Hilfsbereitschaft. Da stand unter anderem:

Heinz G. GüntherOlaf GüntherDie Autoren: Die Küchen-Experten Heinz G. und Olaf Günther, bekannt aus über 30 TV-Reportagen in SAT1, RTL und ARD.

(…) was ich jetzt endgültig machen werde, muss ich mir noch überlegen. Vielleicht können Sie ja Ihre Leser nochmals nachdrücklich vor solchen Verträgen warnen – das hilft zwar mir wohl nicht mehr viel, aber doch hoffentlich vielen anderen sehr!

Was war geschehen? Ich lasse Uta Linger selbst erzählen. Ihre Schreiben muss ich hier und da etwas kürzen, weil sonst der Platz nicht reichen würde.

Lieber Herr Günther, ich bin inzwischen Besitzerin Ihrer beiden Bücher und lese immer Ihren Newsletter mit großem Interesse. Ihre Ausführungen zur Thematik Küche planen veranlassen mich, Ihnen mein „Vertragsproblem“ zu schildern.

Im Mai 2001 unterzeichnete ich auf dem Mannheimer Maimarkt am Messestand der Friwa Küchen einen Vertrag über eine Einbauküche. Im Juli 2001 leistete ich eine Anzahlung von DM 2.500,00.

Eigentlich bin ich immer äußerst zögerlich beim Kaufen, obwohl ich mich schon lange mit dem Gedanken trug, meine alte Küche endlich auszurangieren. Doch diesmal kam alles ganz anders. Ich hatte eines Abends ein Restaurant aufgesucht und kam dort mit 2 Herren ins Gespräch. Ich erfuhr, dass sie auf dem Maimarkt einen Stand hatten, an dem Küchen ab Werk angeboten wurden (wer denkt beim Werksverkauf nicht an Schnäppchen!). Es war ein schöner Abend und da wir uns sehr nett unterhalten hatten, beschloss ich, ihren Stand zu besuchen. Den Ausschlag dafür, dass ich dort tatsächlich den Vertrag unterschrieb, gab also sicherlich der nette Abend im Restaurant.

Kurz darauf musste ich mir eine neue Wohnung suchen, weil meine Vermieterin das Haus sanieren wollte. Es dauerte bis Juni 2003, bis ich in eine sehr schöne neue Wohnung einziehen konnte.

Nach dem Vertrag war die Küche innerhalb von 2 Jahren zu liefern. Ansonsten beinhaltete der Vertrag eine Küche in Bestausstattung (was immer das heißen mag!) ohne E-Geräte und Anschlusskosten, wobei der Preis nach laufenden Metern errechnet wird. Für meine neue Wohnung mussten wir nun die Küche planen – in allen Einzelheiten. Ein Mitarbeiter von Friwa kam zum Ausmessen und anschließend besprachen wir im Friwa Studio in Heidelberg die endgültige Küchenzusammenstellung.

Mit dem Ergebnis war ich überhaupt nicht zufrieden, zumal ich noch Extrakosten für die Arbeitsplatte zahlen sollte. Dabei hatte ich doch bereits die Bestausstattung im Vertrag. Ich bat, die Endversion nochmals zu besprechen. Das sollte dann nach den Werksferien geschehen. Seit Juli 2003 habe ich mich nun gar nicht mehr dort gemeldet, aber auch von Seiten des Friwa-Studios kam bisher keine Anfrage, wann ich denn nun die Küche bestellen wolle.

Kürzlich sprach ich mit einem Freund aus der Möbelbranche, der den Friwa-Vertrag stark überteuert fand; zudem sei nicht klar, welche Leistung Friwa genau zu erbringen habe.

Lieber Herr Günther, ich bin wie Sie der Auffassung, dass man Verträge einhalten soll (Wo kämen wir sonst hin?), auch wenn sie überteuert sind – da hätte ich halt doch nicht so spontan zugreifen dürfen, was aber meine ganz persönliche Entscheidung war. Und ich weiß auch, dass Sie verständlicherweise keine Rechtsauskünfte erteilen können. Aber haben Sie eine Idee, was ich tun kann?

Olaf GüntherTipp von TV-Küchenexperte Olaf Günther: "Ihre neue Küche je nach Hersteller bis zu 12.000,00 € günstiger! Wo und wie zeigen wir Ihnen hier..."

Wahnsinn diese Geschichte – oder? Ich antwortete:

„Hallo Frau Linger, ich gehe davon aus, dass Sie – genau wie ich an Ihrer Stelle – aus dem Vertrag raus wollen. Wobei die 2.500,00 DM (1.282,05 €) Anzahlung futsch sind, wenn Sie einen Prozess scheuen (den ich allerdings nicht scheuen würde!). Aber immer noch besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Anders formuliert: Ein netter Abend im Restaurant kann 1.282,05 € kosten – für nichts.

Ich persönlich würde jetzt ein Einschreiben loslassen, in welchem ich den Kaufvertrag als nicht konkret bezeichnen würde, soweit es um die Leistung von Friwa geht. Eine Konkretisierung sei trotz Aufforderung bisher nicht erfolgt. Der Vertrag sei damit hinfällig geworden. Ich würde auffordern, den angezahlten Betrag bis … zurückzuzahlen auf Konto … Gleichzeitig würde ich ankündigen, nach erfolglosem Ablauf der Rückzahlungsfrist den Betrag gerichtlich beitreiben zu lassen. Ferner würde ich mir vorbehalten, Schadensersatz zu fordern, dessen Höhe ich noch mitteilen würde.“

So forsch rangehen wollte Uta Linger wohl doch nicht. Sie fragte auch noch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Über die Antwort hat mich Uta Linger in diesen Tagen informiert. Ich gebe die Stellungnahme in meinen Worten verkürzt wieder, da ich eine Zitiererlaubnis wegen der Kürze der Zeit nicht einholen konnte.

Die Verbraucherschützer in Stuttgart sind der Meinung, die Messeküchen-Kaufverträge seien gültige Kaufverträge, auch wenn der Kaufgegenstand nicht genau bestimmt sei. Eine vollständige Vertragserfüllung könne verlangt werden. Eine Verbrauchermesse sei keine Freizeitveranstaltung. Es gäbe deshalb keine Widerrufsrechte. Das hätten Gerichte in Baden-Württemberg in den letzten Jahren so entschieden.

Kein Widerrufsrecht – OK, da haben Gerichte gesprochen. Aber die Sache mit dem unbestimmten Kaufgegenstand ist lediglich Juristenmeinung. Gerichtsurteile gibt es meines Wissens bisher nicht.

Hinweis: Ich führe keine Rechtsberatung durch. Ich gebe hier nur meine Sicht der Dinge wieder.

Heinz G. GüntherTV-Küchenexperte Heinz G. Günther warnt vor Abzocke mit fiesen Tricks: "Kaufen Sie keine Küche, bevor Sie nicht diesen Bericht gelesen haben!"
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