Die Zahl der E-Mails, die mich zum Thema „Küchen zum Meterpreis“ erreichen, reißt nicht ab. Eine davon kam von Ralf Essen (Name geändert), dem eine Nobilia Küche mit dieser immer weiter um sich greifenden Verkaufsmasche angedreht wurde:

Heinz G. GüntherOlaf GüntherDie Autoren: Die Küchen-Experten Heinz G. und Olaf Günther, bekannt aus über 30 TV-Reportagen in SAT1, RTL und ARD.

Betreff: Nobilia Küche zum Meterpreis gekauft – bitte um Hilfe

Vor rund zwei Wochen waren meine Frau und ich auf der „Wir-Bauen-Messe“ in Coburg. Da wir im Mai das Bauen beginnen, wollten wir uns auch gleich mal über Küchen informieren.

Am Stand der Firma X. aus Lichtenfels wurden wir von einem „externen“ Mitarbeiter begrüßt. Nachdem er unsere Skizze des Hauses gesehen hat, ist er sofort in ein Verkaufsgespräch eingestiegen und hat gemeint, dass in unserem Haus eine super tolle Küche passt, die er gerne für sein Küchenmagazin fotografieren möchte. Dafür gibt es einen speziellen Preis Küche pro Meter, der unschlagbar günstig ist. Nach ca. 20 min. Informationsgespräch, hatten wir einen „Messekaufvertrag“ vor uns liegen. Bei der Frage, was denn jetzt an dem Vertrag besonderes sei, hat er ein paar handschriftliche Ergänzungen eingebracht, z.B. wie bei einem Kauf eines Tisches ein Gutschein im Wert von 400,00 € eingelöst werden kann.

Wir sind den Vertrag noch einmal durchgegangen. Er hat uns aber nicht auf die AGB auf der Rückseite aufmerksam gemacht. Das steht aber leider auf der ersten Seite. Geschickt mit einem Ausrufezeichen einen Abschnitt davor, hat er uns von dem Satz „Kaufbedingungen siehe Rückseite“ abgelenkt. Des Weiteren hat er versprochen, dass eine Insellösung möglich ist. Leider steht das genau anders im Vertrag, nämlich dass eine Insellösung nicht in den Kosten enthalten ist.

Am Tag drauf ist uns erst richtig bewusst geworden, dass wir eine Küche im Wert von 7.500,00 € gekauft haben. Dazu kommen laut Vertrag noch 1.305,00 € Aufbaukosten und 3.000,00 € für die Geräte. Das macht 11.805,00 € für eine Nobilia Küche (Fronten aus Kunststoff). Ob die Arbeitsplatte von Nobilia Küchen mit dabei ist, ist aus dem Vertrag nicht herauslesbar. Ein Bekannter von uns hat vor kurzem eine sehr hochwertige Küche gekauft. Er hat seine Meter zusammengerechnet und durch seinen Komplettpreis geteilt. Da ist er auf gerade mal 700,00 € gekommen, inkl. Geräte.

Am Montag nach der Messe war ich persönlich im Möbelhaus X. und hatte schriftlich um eine Rückgabe des Vertrages gebeten. Da es noch keine Planungen gibt, müsste es ja möglich sein, kostenneutral aus dem Geschehen zu kommen. Leider hat der Verkäufer darauf nicht reagiert. Auch der Geschäftsleiter meinte, dass Verträge einzuhalten sind. Es seien auch Kosten angefallen (2.500,00 €) für den Mitarbeiter am Stand.

Mein Argument, dass er da eh steht, egal ob er mit uns geredet hat oder nicht, zählte nicht. Ich gehe davon aus, dass der externe Mitarbeiter auf Provisionsbasis angestellt war. Der Küchenverkaufsleiter von X. war auch auf dem Messestand. Warum hat er uns keine Küche verkauft? Wieso benötig man einen externen Mitarbeiter?

Ebenso kam das Argument, wenn ich woanders die gleiche Küche für einen besseren Preis finde, dann können wir ebenso über den Preis reden. Halt, der Vertreter auf dem Messstand meinte, dass der Preis für seine Nobilia Küchen eh unschlagbar ist – wegen der Fotoaktion, die am 30.06.2012 stattfinden soll. Ist das nicht Vortäuschung falscher Tatsachen?

Wie komme ich aus dem Vertrag wieder raus?

Am 01.05. müssen wir laut Vertrag 2.200,00 € vorauszahlen. Dazu bin ich nicht bereit. Selbst wenn das doch ein gutes Angebot für diese Nobilia Küche sein sollte: Aufgrund der Gespräche mit dem Verkaufsleiter des Küchenstudios und dem Geschäftsführer haben wir kein Vertrauen mehr mit X. eine Küche zu planen. Ich bitte um Ihre Hilfe. Ihr Buch Clever Küchen kaufen habe ich eben bestellt.

Ich antwortete:

„Hallo Herr Essen, Ihre Kernfrage ‚Wie komme ich aus dem Vertrag wieder raus?‘ ist eine Rechtsfrage. Zu einer Rechtsberatung bin ich aber nicht befugt. Ich kann Ihnen deshalb nur sagen, wie ich persönlich den Fall sehe – was jedoch ganz unverbindlich ist.

Sie haben nichts darüber gesagt – aber ich unterstelle es einmal – dass in dem Vertrag zwei essentielle Vertragspflichten noch nicht konkretisiert wurden: Die einzelnen Küchenelemente sind nicht festgelegt und der Händler hat noch kein Aufmass vor Ort genommen.

Für mich ist deshalb ein Vertrag noch nicht verbindlich zustande gekommen. Das würde ich dem Händler schreiben und gleichzeitig mitteilen, dass ich an dem Kauf kein Interesse mehr habe. Die Sache sei damit für mich erledigt. Natürlich müsste ich damit rechnen, dass ich verklagt werde.“

Herr Essen schrieb tags darauf zurück:

Vielen Dank für die schnelle Antwort. Mit Ihrer Unterstellung liegen Sie richtig. Das mit dem Schreiben habe ich gestern gleich erledigt und per Einschreiben an das Möbelhaus gesendet. Wir haben aber Bedenken was das „Verklagen“ angeht. Was könnte da im schlimmsten Fall auf uns zukommen? Wäre das dann nicht teurer, als die 20% Stornogebühren zu zahlen (wären in unserem Fall ca. 2.500,00 €)? Sicherheitshalber haben wir einen Termin bei einem Anwalt vereinbart, der sich in Sachen Vertragsrecht auskennt.

Heinz G. GüntherTV-Küchenexperte Heinz G. Günther warnt vor Abzocke mit fiesen Tricks: "Kaufen Sie keine Küche, bevor Sie nicht diesen Bericht gelesen haben!"


Clever Küchen kaufen
TV-Küchenexperte Heinz G. Günther warnt vor Abzocke mit fiesen Tricks: „Kaufen Sie keine Küche, bevor Sie nicht diesen Bericht gelesen haben!“