Nobilia Küchen zum Meterpreis: Wie komme ich aus dem Vertrag wieder raus?

Die Zahl der E-Mails, die uns zum Thema Küchen zum Meterpreis erreichen, reißt einfach nicht ab. Eine davon kam von Ralf Essen (Name geändert), dem eine Nobilia Küche mit dieser immer weiter um sich greifenden Verkaufsmasche angedreht wurde.

Haben auch Sie einen Vertrag über eine Messeküche zum Laufmeterpreis unterschrieben und fragen sich, wie Sie jetzt aus dieser Lage herauskommen? Einen Lösungsweg möchten wir Ihnen in diesem Beitrag aufzeigen.

Heinz G. GüntherOlaf GüntherDie Autoren: Die Küchen-Experten Heinz G. und Olaf Günther, bekannt aus über 30 TV-Reportagen in SAT1, RTL und ARD.

Doch lesen Sie zunächst, was dem Ehepaar Essen passiert ist. Wahrscheinlich werden Sie so ziemlich das Gleiche erlebt haben.

Die Nobilia-Meterküchen-Story im Detail

Betreff: Nobilia Küche zum Meterpreis gekauft – bitte um Hilfe

Vor rund zwei Wochen waren meine Frau und ich auf der Wir-Bauen-Messe in Coburg. Da wir in Kürze das Bauen beginnen, wollten wir uns dort auch gleich mal über Küchen informieren.

Am Stand der Firma X. aus Lichtenfels wurden wir von einem „externen“ Mitarbeiter begrüßt. Nachdem er unsere Skizze des Hauses gesehen hat, ist er sofort in ein Verkaufsgespräch eingestiegen und hat gemeint, dass in unser Haus eine super tolle Küche passt, die er gerne für sein Küchenmagazin fotografieren möchte.

Dafür gibt es einen speziellen Preis Küche pro Meter, der unschlagbar günstig ist. Nach ca. 20 min. Informationsgespräch hatten wir einen Messekaufvertrag über eine Nobilia Küche vor uns liegen.

Bei der Frage, was denn jetzt an diesem Vertrag Besonderes sei, hat er ein paar handschriftliche Ergänzungen eingebracht, z.B. wie bei einem Kauf eines Tisches ein Gutschein im Wert von 400,00 € eingelöst werden kann.

Wir sind den Vertrag noch einmal durchgegangen. Dabei hat er uns derart unter Druck gesetzt, weil heute ja der letzte Tag der Messe sei und dieses Spezialangebot später nicht mehr gelte.

Außerdem hat er uns nicht auf die AGB auf der Rückseite aufmerksam gemacht. Das steht aber klar auf der ersten Seite. Geschickt mit einem Ausrufezeichen einen Abschnitt davor hat er uns von dem Satz Kaufbedingungen siehe Rückseite abgelenkt.

Des Weiteren hat er mündlich versprochen, dass eine Insellösung möglich ist. Das steht allerdings genau anders im Vertrag, nämlich dass eine Insellösung nicht im Preis enthalten ist.

Erst am Tag darauf ist uns so richtig bewusst geworden, dass wir eine Küche im Wert von 7.475,00 € gekauft haben. Dazu kommen laut Vertrag noch Kosten von jeweils 888,00 € für Montage und Griffe sowie 2.879,00 € für die Geräte und Spüle.

Das macht gerundet satte 12.000,00 € für eine Nobilia Küche mit Fronten aus Kunststoff in Preisgruppe 2. Ob eine Arbeitsplatte von Nobilia Küchen mit dabei ist, kann ich dem Vertrag nicht entnehmen.

Vertrag Nobilia Küchen zum Meterpreis

Ein Bekannter von uns hat vor einigen Monaten ebenfalls eine Nobilia Küche gekauft, allerdings regulär in einem anderen Möbelhaus. Er hat die laufenden Meter zusammengerechnet und durch den Komplettpreis geteilt. Da ist er auf einen Meterpreis von gerade einmal 700,00 € gekommen – mit echter Lackfront und einschließlich der Elektrogeräte!

Zwei Tage nach der Messe war ich persönlich im Möbelhaus X. und bat schriftlich um eine Auflösung des Vertrages. Da es noch keine detaillierte Planung gibt, müsste es ja möglich sein, kostenneutral aus dem Geschehen herauszukommen.

Der Verkäufer hat darauf gar nicht reagiert. Auch der hinzugerufene Geschäftsführer meinte, dass Verträge einzuhalten sind. Es seien schließlich Kosten in Höhe von 2.500,00 € für den Mitarbeiter am Stand angefallen.

Mein Argument, dass er da sowieso steht, egal ob er mit uns geredet hat oder nicht, zählte nicht. Ich gehe davon aus, dass der externe Mitarbeiter auf Provisionsbasis angestellt war. Der Küchenverkaufsleiter von X. war auch auf dem Messestand. Warum hat denn der uns keine Küche verkauft? Wieso benötigt man einen externen Mitarbeiter?

Ebenso kam das Argument, wenn ich woanders die gleiche Küche für einen besseren Preis finden würde, dann könnten wir ja nochmal über den Preis reden. Halt, der Vertreter auf dem Messestand meinte, dass der Meterpreis für seine Nobilia Küchen unschlagbar sei – wegen der Fotoaktion, die angeblich stattfinden sollte. Ist das nicht Vortäuschung falscher Tatsachen?

Wie komme ich aus dem Meterpreis-Vertrag wieder raus?

Spätestens zum 30.11. müssen wir laut Vertrag 3.600,00 € anzahlen. Dazu sind wir nicht mehr bereit. Selbst wenn das doch ein gutes Angebot für diese Nobilia Küche sein sollte: Aufgrund der Gespräche mit dem Verkaufsleiter des Küchenstudios und dem Geschäftsführer haben wir kein Vertrauen mehr, mit X. eine Küche zu planen.

Da geht es um viel Geld und meine Frau kann deswegen nachts schon nicht mehr schlafen. Sie macht sich Vorwürfe, dass wir uns derart haben übertölpeln lassen. Ich bitte um Ihre Hilfe und Ihren Rat, was wir jetzt tun sollen.

Heinz G. GüntherTV-Küchenexperte Heinz G. Günther warnt vor Abzocke mit fiesen Tricks: "Kaufen Sie keine Küche, bevor Sie nicht diesen Bericht gelesen haben!"

Der Weg aus dem Schlamassel: Was ich meinem Leser geraten habe

Ich antwortete:

„Hallo Herr Essen, es wird Sie zwar kaum trösten, aber außer Ihnen sind auf dieser Messe ganz sicher Dutzende in die Falle mit der Nobilia Küche zum Meterpreis getreten. Was geschehen ist, ist nun einmal geschehen und Sie und Ihre Frau sollten sich deshalb keine Vorwürfe machen. Es gilt nun, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Ihre Kernfrage: Wie komme ich aus dem Vertrag wieder raus? ist eine Rechtsfrage. Zu einer Rechtsberatung im Einzelfall bin ich aber nicht befugt. Ich kann Ihnen deshalb nur schreiben, wie ich persönlich den Fall sehe und Ihnen meine Erfahrungen mitteilen – was natürlich ganz unverbindlich ist.

Wie Sie selbst erlebt haben, ist es völlig sinnlos, mit dem Händler über eine Vertragsauflösung zu diskutieren – schon gar nicht zum Nulltarif. Denn der will Geld verdienen und wird deshalb nicht einfach aus Nächstenliebe auf das Geschäft verzichten.

Zum Glück haben Sie noch keine Anzahlung geleistet. Und da diese erst in einigen Monaten fällig ist, können Sie sich in aller Ruhe Ihren nächsten Schritt überlegen.

Wie man in Ihrer Situation jetzt am besten vorgeht, haben wir in unserem Artikel Küche nach Meterpreis: Die Abzocke mit Meterküchen veröffentlicht.

Die erste Maßnahme in unserem dort beschriebenen 3-Stufen-Plan ist die Prüfung, ob der geschlossene Vertrag überhaupt gültig ist. Ein Ansatzpunkt könnte hier nach meiner persönlichen Meinung die fehlende Vereinbarung über die Arbeitsplatte sein, die schließlich zu jeder Küche gehört. Die genaue Rechtslage kann aber hier nur ein Anwalt nach Durchsicht des Papiers beurteilen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen zunächst einmal weiterhelfen. Die Entscheidung, ob Sie unserem 3-Schritte-Plan folgen, liegt ganz bei Ihnen.“

Herr Essen schrieb tags darauf zurück:

Vielen Dank für Ihre schnelle und hilfreiche Antwort. Ihren Ratgeber Clever Küchen kaufen habe ich eben online bestellt und freue mich schon darauf, Ihre Tipps zu lesen. Wir haben heute außerdem einen Termin bei einem Rechtsanwalt vereinbart, der sich in Sachen Vertragsrecht auskennt.


Clever Küchen kaufen
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